Dalszöveg
Ich kam in die Turnhalle und konnte erstmal nichts erkennen, weil nur eine rote Neonröhre flackerte. Alle saßen auf dem Boden, der Joint kreiste und sie dachten über das Leben nach. Der Gitarrist quatschte mich an und ich machte schon mal meine Dose Bier auf. „Kennst Du Cecil Taylor?“ Wie es der Zufall wollte, hatte ich letzte Woche bei einem Bartträgertreffen eine Platte von Taylor gehört. Natürlich waren alle schwer von ihm begeistert, ich nicht. Mir war das einfach zu strange. Als mich dann ein Cordjackenmann fragte, was ich von Taylor halten würde, sagte ich schmallippig: „Gewagt“. Die Gruppe schaute sich vielsagend an, und es kam was dann immer kommt: Man wollte mich zerlegen. Und plötzlich hatte ich den genialen Spruch: „Cecil ist noch nicht so weit“ und „ob sie das denn nicht gehört hätten“. Kurzum, ich war gerettet.
Ich fragte nach dem Repertoire. Repertoire? Alle lachten und erklärten mir lang-atmig, dass sie Künstler seien und das Gewichse dieser Musikgangster nicht mitmachten. Auch gut. Sie wollten improvisieren. Nun wurde mir doch ein bisschen mulmig. Wo sollte ich einen Text hernehmen, welche Melodie musste ich singen? Was sollte ich jetzt machen? Ich schüttete mir ganz schnell zwei Bier rein, zog hastig am Joint: „Okay, Jungs, es kann losgehn.“ Die hatten aber nun die allergrößte Mühe aufzustehen, nur der Drummer klopfte ein bisschen rum und ich checkte schon mal seinen Beat. Nach einer Ewigkeit stimmte der Gitarrist die Klampfe und es ging los! Der gute Mann begann mit A-Moll, und verließ diesen Akkord nicht mehr, trat dann auf irgendeinen Schalter und es taten sich gewaltige Sounds mit Echokammern und Hallräumen auf. Irgendwann fuchtelte der Drummer dann an den Becken. Es war der ideale Kiffersound. Ich sang plötzlich in einer Sprache die ich nicht kannte und schrie zwischendurch immer „Revolution, Revolution.“ Ich wäre auf der Stelle jeder Revolutionspartei beigetreten.
Irgendwann gegen Mitternacht waren alle fertig, ich tastete mich durch das dunkle Gelände heimwärts. Die Band wollte noch bleiben und diskutieren. Einige Wochen später traf ich den Bassisten und er fragte mich, in welcher Sprache ich denn gesungen hätte? Ich sagte ohne zu zögern: „Suaheli.“ Er starrte mich an und ging wortlos weg. Später hörte ich von einem Bekannten, dass es in Düsseldorf einen Sänger gäbe, der in Suaheli singen würde. Genaueres wusste er aber auch nicht. Er stellte fest: „Es ist eine wunderbare Zeit, es gibt so viele tolle Typen.“ „Ja,“ sagte ich, „es laufen irre Typen rum.“