Nach einem Auftritt taucht plötzlich ein Musikjournalist auf. Ich hatte schon von dem Drummer einer angesagten Band gehört, dass es da unglaubliche verlogene Typen gibt. „Sie schreiben schlicht und einfach etwas anderes als das, was du ihnen gesagt hast“. Irgendwie hatte ich aus seiner Erzählung den Eindruck gewonnen, diese Burschen verachten ehrliche Antworten. Vielleicht wollen sie nur die große Story, die geniale Lüge. Mir fiel da ein Interview mit dem Who-Gitarristen ein: „Du darfst den Journalisten niemals die Wahrheit sagen“.
Sollte ich einmal in die Verlegenheit eines Interviews kommen, wusste ich was zu tun ist.
Nun sitzt also dieser Mensch neben mir und fragt mich etwas ganz banales.
Ich hätte diese Frage nicht von einem erwachsenen Menschen erwartet. Ich schaue ihn kurz an: „Haben sie schon mal ein Buch gelesen“? Er antwortet völlig unbeeindruckt mit: „Mehrere“. Unser Gitarrist tritt mir brutal auf die Füße, er ahnt was kommt. Der Westfale neigt leider, und das zu seinem lebenslangen Nachteil, zum offenen Wort. Mir fällt da immer ein angeblich mongolisches Sprichwort ein: „Wer die Wahrheit liebt, sollte immer ein gesatteltes Pferd haben“.
Das Bier wirkt und ich will jetzt von ihm wissen „ob er den Namen Kafka schon mal gehört hat“. „Ich wohne in der Kafkastraße“. sagt er. Das war nun doch nicht zu erwarten. Ich sage nur noch: „Wie schön für sie“. Damit war das Interview beendet.
Er schrieb dann eine tolle Kritik. Die hatte zwar mit unserer Musik wenig zu tun, aber seine Liebe zur Musik war nicht zu übersehen. Ich habe mich manchmal gefragt, wie das ist, wenn man als Journalist einem erfolgreichen Musiker gegenüber sitzt, der außer „Fressen, Ficken, Saufen, Fernsehn“ nichts in der Birne hat und in den besten Hotels absteigt. Ein merkwürdiger und gefährlicher Job.
Styl muzyki
ambient, classic piano, pizzicato strings, slow, spoken word, male